Le Minh Khue: Kleine Tragödien. Erzählungen.
Übersetzt von Günter Giesenfeld und Marianne Ngo, in Zusammenarbeit mit Nguyen Ngoc Tan, Tran Van Cung und Luise Gutmann.
Herausgegeben von der Freundschaftsgesellschaft
im Mitteldeutschen Verlag, Halle 2011
ISBN 978-3-89812-796-7
Jetzt erschienen und in allen Buchhandlungen erhältlich: 344 Seiten, Preis Euro 24,00
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Die Geschichten Le Minh Khues entfalten sich allmählich, die Brüche und Wendungen im Leben der Protagonisten sind wohl kalkuliert, oft wird in ihrem Verlauf eine Vergangenheit nach und nach aufgedeckt, die eine bis dahin unangefochtene Ehrbarkeit infrage stellt und die inneren Widersprüche von Entwicklungen und Karrieren zutage treten läßt. Aber auch wenn diese Tragödien „klein” erscheinen, weil sie auf Familien und Einzelne begrenzt erscheinen, so verweisen sie doch auf die widerspruchsvolle Geschichte eines ganzen Landes.

Das Buch enthält folgende Erzählungen:
Ferne Sterne
Der blaue Himmel
Ein Abend fern der Stadt
Eine kleine Tragödie
Der Nebenbahnhof
Tony D
Szenen aus einer kleinen Gasse
An entgegengesetzten Ufern
Die Geschichte der Gastarbeiterin
Auf halbem Weg zum Himmel
Abenddämmerung
Regenzeit
Frauenbilder
Im Sessel
Der Philosophieprofessor
Allein über die Straße

Geboren wurde Le Minh Khue 1949 in der Provinz Thanh Hoa in Nordvietnam. In den Wirren um die Landreform von 1950-55 verlor sie ihre Eltern und wurde von Verwandten aufgezogen. Diese waren engagierte Unterstützer des Kampfes gegen die US-Invasion und zugleich Literaturliebhaber. Beides hat die Autorin für ihr späteres Leben geprägt. Sie war überzeugt davon, dass der Kampf um die Unabhängigkeit zum Sieg führen würde und dass daraus eine gerechtere Gesellschaft erwachsen würde. Also meldete sie sich 1965 freiwillig zur Armee, wo sie nur aufgenommen wurde, weil sie ihr Alter von 16 Jahren verschwieg. Sie erhielt eine Pionierausbildung und wurde am Ho Chi Minh-Pfad eingesetzt, um die Verbindungswege offen zu halten. Vier Jahre lebte sie so im Dschungel. Onkel und Tante hatten ihr Bücher mitgegeben, und so las sie mitten im Dschungel in Stunden der Ruhe Tschechow, Jack London und Hemingway. Und fing an, selber Ereignisse aufzuschreiben, die um sie her passierten. Diese wurden bald in Armeezeitungen veröffentlicht, die erste 1968 war „Ferne Sterne” - da war sie 19.
Nachdem sie die Armee verlassen hatte, setzte sie ihre Tätigkeit als Journalistin und Schriftstellerin fort. Sie heiratete, bekam eine Tochter und wurde Lektorin im Verlag des Schriftstellerverbandes. Sie schreibt bis heute kontinuierlich weiter Romane und Kurzgeschichten, in denen sich die Nachkriegsentwicklung ihres Landes widerspiegelt.