
Reisegruppe der Freundschaftsgesellschaft besuchte Behandlungszentrum für dioxingeschädigte Kinder in Mittelvietnam
Jens Westermann
Wie in der Mitgliederversammlung berichtet, hatte uns Frau Nguyen Thi Binh die Anregung vermittelt, wir sollten doch statt des "Freundschaftsdorfes", das vielfältige internationale Hilfe genießt, doch auch kleinere, lokale Projekte unterstützen, die mit wenig Geld und freiwilliger ehrenamtlicher Arbeit auf dem Land die Opfer versorgen. Daraufhin hat unsere Oktober-Reisegruppe ein solches Zentrum besucht.
Während unserer Mitgliederreise durch Vietnam und Kambodscha im Oktober haben wir in der Nähe von Da Nang ein Rehabilitationszentrum für Agent Orange geschädigte Kinder besucht. Vor diesem Besuch haben wir uns sehr viel Gedanken über den Verlauf des Treffens gemacht, da wir schon viele Bilder und auch Berichte über Agent Orange-Opfer gesehen hatten und bereits diese uns zum Teil sehr bedrückt haben. Wie würde dieses Treffen also ablaufen? Wir waren sehr gespannt.
Wir sind sehr freundlich empfangen worden! In einem für unsere gesamte Reisegruppe etwas zu kleinen Zimmer, das sonst für Dienstbesprechungen genutzt wird, setzten wir uns zusammen. Die Direktorin und ein Vertreter der Provinz Da Nang haben uns begrüßt und unsere Fragen beantwortet.
Das Rehabilitationszentrum wird vom National Fund for Vietnamese Children betrieben und ist direkt neben der lokalen Krankenstation gelegen. Die Direktorin des Rehabilitationszentrums ist gleichzeitig auch Leiterin der Krankenstation und konnte unsere mitgebrachten medizinischen Gerätschaften deshalb auch bestens gebrauchen. Im Distrikt Ngu Hanh sind 30,9 % der Kinder in irgendeiner Form behindert in Folge des direkten oder indirekten Kontakts mit dem Gift. Im Rehabilitationszentrum können 50 Kinder betreut werden. Die Hälfte sind 1 bis 8 Jahre alt. Ungefähr ein Drittel der Kinder hat neben der körperlichen Behinderung auch geistige Schäden. Die Kinder kommen oft aus armen Familien und nicht selten stammen auch mehrere behinderte Kinder aus einer Familie. Behandlungsschwerpunkt ist es, die Funktionen von Armen und Beinen zu trainieren und zu verbessern. Die Behandlung der Kinder ist kostenfrei und die Eltern bekommen vom Staat monatlich einen Betrag von durchschnittlich 80 000 Dong ausgezahlt als Entschädigung für die Pflege der Kinder.
Das Gebäude des Rehabilitationszentrums machte einen sehr gepflegten Eindruck. Der Taifun, der zwei Wochen vor unserem Besuch in der Provinz Da Nang riesige Schäden hinterlassen hatte, zerstörte auch das Dach des Rehabilitationszentrums. Wir konnten die Überreste noch auf dem Hof liegen sehen, aber es war bereits ein neues Dach gebaut worden.

Das größte Problem ist die geringe Größe des Gebäudes. Es können pro Tag immer nur Gruppen von bis zu acht Kindern betreut werden. Die Kinder bekommen einen Terminplan mit mindestens zwei Terminen pro Woche. Sie werden dann durch die Direktorin und zwei Angestellte betreut. Weiterhin gibt es noch 10 freiwillige Helfer und Helferinnen, die zu den Familien gehen und dort die Kinder ambulant betreuen und Tips zur Pflege, Behandlung und für geeignetes Spielzeug geben.

Wir sind dann in den Raum gegangen, wo die Kinder gerade betreut wurden. Wir sahen, wie sie an verschiedenen Geräten (Rudergerät, Heimtrainer…) und sehr viel mit unterschiedlich großen Bällen unter Anleitung gespielt haben. Manchmal kommen auch nicht behinderte Kinder aus der Umgebung dazu, weil sie mitspielen wollen. An sich ist das begrüßenswert, aber wegen der engen Platzverhältnisse nur in kleinem Rahmen möglich. Beim Ballspielen haben einige von uns mitgemacht, so wurde die Distanz zu den Kindern ein wenig abgebaut.
Wir haben diesen Programmpunkt unserer Reise, bei dem wir auch eine Spende in Höhe von 750 US-$ übergeben konnten, sehr positiv erlebt. Sicher war es kein einfacher Besuch. Der freundliche Empfang und das Lachen der Kinder haben das bedrückende Gefühl aber schnell verdrängt. In den Vordergrund getreten ist während und nach unserem Besuch aber die Frage: Warum müssen auch heute geboren Kinder und ihre Familien immer noch unter einem Krieg leiden der über 30 Jahre vorbei ist?

Die Freundschaftsgesellschaft wird dieses Zentrum weiterhin und langfristig zu fördern versuchen. Deshalb rufen wir unser Mitglieder und andere Vietnamfreunde auf, für dieses konkrete Projekt zu spenden:
Danke.