Wayne Dwernychuk
An das Weiße Haus
1600 Pennsylvania Avenue NW
Washington, DC 20500, USA
Betrifft: Agent Orange und Department of Veterans Affairs (VA)
Herr Präsident,
Ich habe etwa 15 Jahre lang über das Agent Orange-Problem in Vietnam im Rahmen meiner Tätigkeit für Hatfield Consultants in British Columbia (Kanada) gearbeitet. In dieser Zeit war es klar erkennbar geworden, daß der Einsatz dieses Herbizids im Vietnamkrieg bei Teilen der vietnamesischen Bevölkerung und in den Ökosystemen der Wälder unermeßlichen Schaden verursacht hat.
Meine heutige Absicht ist es, Ihre Aufmerksamkeit auf zwei Probleme zu lenken, die, wie ich meine, eine direkte Einflußnahme oder Intervention von Ihrer Seite erfordern. Erstens die Existenz von Agent Orange-hot spots an den Orten früherer US-Militärbasen in Südvietnam. Spärliche Mittel sind von Ihrer Regierung freigegeben worden, um die laufenden Reinigungs- und Wiederinstandsetzungsarbeiten am Flughafen von Da Nang zu unterstützen, der früher eine US-Militärbasis und Ausgangspunkt der Agent Orange-Einsätze war. Ein oder Zwei Millionen Dollar sind viel zu wenig zur Durchführung einer so umfassenden und technisch aufwendigen Aufgabe.
Es wird geschätzt, daß 17 Mio. US-$ nötig sind um die Basis Da Nang angemessen zu säubern, und sie ist nur einer der hot spots, die Hartfield Consultants identifiziert hat … Es gibt noch mindestens drei ähnliche Militärgelände und wahrscheinlich noch viele mehr, wenn in Vietnam die Richtlinien anlegt, welche die Umweltschutzbehörde in den USA an Dioxinvorkommen im Boden anwendet. Die Vietnamesen brauchen Hilfe, damit alle diese verseuchten Gebiete für die lokale Bevölkerung ungefährlich gemacht werden können, die jetzt immer noch vom Dioxin aus dem Agent Orange kontaminiert sind, das in den Böden, in den Fischteichen, in der Nahrung, in Blut und Muttermilch enthalten ist.
Die Agent Orange-Politik ist sehr kompliziert und ich habe nicht die Absicht, die Vorhaben Ihrer Regierung zu mißachten, aber da sind leidende Menschen, die Hilfe brauchen, um ihr Land zu retten und für ihre Kinder eine sichere Umwelt und Nahrung zu haben.
Nach so vielen Jahrzehnten der Anschuldigungen und Verleugnungen ist es jetzt an der Zeit, alle diese Versuche, eine direkte statistische Begründung für den Zusammenhang zwischen der Berührung mit Agent Orange und der Gesundheitsfolgen, auf die die vietnamesische Regierung verweist, zu vergessen. Der anscheinende Mangel an Forschungen, die einen solchen Zusammenhang beweisen sollen, war lange Zeit einer der Eckpfeiler Ihrer Agent Orange-Politik in Bezug auf Vietnam. Aber inzwischen gibt es genügend wissenschaftliche Nachweise, daß Dioxin krebserregend und eine Gefahr für das menschliche Leben ist. Allein auf dieser Grundlage müßten die humanitären Erwägungen endlich den Ruf nach wissenschaftlichen Beweisen einer Ursache-Effekt-Wirkung ersetzen. Damit wäre es den Regierungen endlich möglich, voranzugehen und denjenigen Hilfe zukommen zu lassen, die in Not sind, und die Gefahren für die Gesundheit endlich zu beseitigen, die durch den Einsatz von Agent Orange Ihres Militärs entstanden sind.
Das zweite Problem betrifft unsere Veteranen. Ich habe letzten Sonntag die 60-Minuten-Sendung Ihres VA gesehen. Alles was ich dazu sagen kann, ist: Es ist ein Skandal! Hunderttausende Ihrer Veteranen befinden sich in einer aussichtslosen Lage, einige von ihnen seit vielen Jahren, ohne jeden Rückhalt. In den letzten 15 Jahren habe ich immer wieder, in meinem Büro vor meinem Ruhestand, Anrufe von Vietnam Veteranen erhalten, die ‚mich’ (!) fragten: „Bitte helfen Sie mir … ehe ich sterbe”. Ich fand dies irgendwie nervig und ziemlich traurig: amerikanische Veteranen, die einen kanadischen Wissenschaftler um Hilfe gegen eine amerikanische Regierungsstelle bitten. Der letzte derartige Anruf erreicht mich letzten Mittwoch, er wurde von meinem früheren Büro in meine Privatwohnung weitergeleitet. Der Veteran war verzweifelt. Die VA behaupte, so sagte er mir, sie habe keine seiner militärischen Unterlagen vorliegen und deshalb habe er keinen Anspruch auf Hilfe, obwohl klar ist, daß er in Vietnam Ihrem Land gedient hat und sehr wohl alle Dokumente vorgelegt hat. Alle Veteranen, mit denen ich sprach, haben den Eindruck, daß die VA ernsthaft unfähig, zu einem Sumpf geworden ist, in dem die betroffenen Menschen ertrinken.
Die USA sind nicht mein Land, und doch habe ich nach meinem Wirken in Vietnam einen riesigen Respekt für die Vietnamveteranen entwickelt. Ich werde ihnen weiterhin helfen, indem ich sie an Sachverständige in den USA zu vermittle, die sich mit der VA auskennen, oder an Ärzte und Rechteanwälte, die mit der Mauertaktik dieser Behörde Erfahrungen haben. Wie diese jungen Männer unter solchen Bedingungen Krieg geführt haben, in der Hitze, den Sümpfen, dem Dschungel und den Bergen ist wirklich unglaublich. Und nun werden diese mutigen Männer in eine demütigende Mühle der Bürokratie geschickt … Ich denke, Sie sind verpflichtet, das Leben so vieler Betroffener zu verbessern, indem Sie diesen Veteranen beistehen.
Sie sind ein sehr beschäftigter Mann, Herr Präsident, aber ich hoffe nicht zu beschäftigt, um jenen die lebensnotwendige Hoffnung zu bringen, die in Vietnam leben und unermeßlich leiden, und jenen Vietnamveteranen, die ihr Leben für Ihr Land eingesetzt haben.
Mit Respekt
Dr. Wayne Dwernychuk (lwd347@gmail.com)
Hatfield Consultants (retired)
www.hatfieldgroup.com
920 Shorewood Drive
Parksville, BC, Canada, V9P 1R9 Tel. 250.951.0710