Vogelgrippe - wieder neue Fälle

Zusammengestellt von Luise Gutmann

In den Monaten Mai bis Juli 2007 hat es in Vietnam wieder mehrere Ausbrüche von Vogelgrippe gegeben. Auch Menschen wurden angesteckt, es gab zwei neue Opfer. Laut WTO liegen jedoch noch keine Beweise vor, daß H5N1 leichter von Geflügel auf den Menschen übertragen wird. Bei der Entwicklung von Impfstoffen gab es Fortschritte.


Seit Mai war die Vogelgrippe in 18 Provinzen und Städten registriert worden. Fünf Menschen erkrankten, zwei davon starben. Seit 2003 sind damit 44 Menschen in Vietnam Opfer der Vogelgrippe geworden.

Die umfassenden Impfaktionen der Regierung wurden indessen weitergeführt, zumal die FAO diese Impfungen auch empfiehlt. Die erste Runde Impfungen wurde in 44 (von 64) Provinzen und Städten abgeschlossen. 84 Mio. Hühner und über 59 Mio. Enten sowie rund 3,5 Mio. weißflügelige Enten wurden geimpft. Eine zweite Runde soll folgen.

Die FAO lobte die Regierung für ihre Anordnung, Brütereien und Schlachtereien schließen zu lassen, wenn sie sich nicht an die Standards der Lebensmittelsicherheit und sanitäre Standards halten. In einem Länderbericht der Deutschen Bank heißt es: "Allerdings scheint die vietnamesische Regierung auch abgelegene Gebiete effektiv kontrollieren und somit Vorfälle in einem relativ frühen Stadium entdecken und eindämmen zu können. Von großer Hilfe ist auch eine weitreichende Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen."

Die meisten der in diesem Jahr registrierten Fälle betrafen Geflügelbestände, die noch nicht geimpft waren und erst bei der zweiten Runde "dran" waren. Einzige Ausnahme: ein Fall in der Provinz Dong Thao im Juli, der dann auch landesweit Aufsehen erregte, weil er möglicherweise die Impfungen selbst in Frage stellte.

Skandal im Juli

Während 96 % der Ausbrüche der Seuche Geflügel betrafen, das nicht geimpft war, erkrankten in den Beständen einer GeflügelzuchtGesellschaft in der Provinz Dong Thap geimpfte Hühner.

Der stellvertretende Leiter der Abteilung für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Duong Nghia Quoc, sagte, die erkrankten Tiere seien den Farmern als Ausgleich für Verluste, die sie durch die Vogelgrippe erlitten hatten, im Rahmen eines Nothilfeprogramms der Regierung übergeben worden. Dies ist üblich, wenn in einem Betrieb oder auf einem Bauernhof Massentötungen vorgenommen werden mußten.

Der Chef der betroffenen Firma, Cao Xuan Dam sagte, man habe die Tiere geimpft, Ursachen für die Unwirksamkeit der Impfung könnten Fehler bei der Lagerung des Impfstoffs oder bei der Impftechnik sein. Die örtlichen Behörden werden die Untersuchung in der Sache fortsetzen.

Impfstoff wird knapp

Landwirtschaftsminister Cao Duc Phat äußerte sich besorgt über die Gefahr eines neuerlichen Ausbruchs der Vogelgrippe in den südlichen Provinzen. Bei einer Besprechung des Nationalen Steuerungskomitees zur Prävention der Vogelgrippe sagte er gestern, auf einer Fläche von 800.000 Hektar werde in Kürze der Reis geerntet. Danach ist es üblich, die Enten zur "Nachlese" verstreuter Reiskörner auf diese Felder zu schicken und die meisten Enten seien noch nicht geimpft.

Für die vorgesehenen Impfungen dieses Jahres sind 250 Mio. Dosen H5N1Imfstoff nötig. Bis jetzt sind 200 Mio. Dosen importierten Impfstoffs bereits verbraucht worden, um die Geflügelbestände zu schützen. Der Minister sagte, es sei nicht genügend Impfstoff vorhanden, um den Bedarf zu decken. Das Ministerium habe den Premierminister gebeten, den Import von weiteren 200 Millionen Dosen für dieses Jahr zu genehmigen. VNS

Vietnamesische Studie über Impfstoffe

Interview mit Le Tran Binh, Direktor des Instituts für Biologische Technologie:

Es gibt einige Länder, die erfolgreich Impfstoff gegen die Vogelgrippe herstellen. Sucht Ihr Institut nach einer anderen oder neuen Art von Impfstoffen?

Es gibt verschiedene Impfstoffe für unterschiedliche Zwecke. Gegenwärtig produzieren einige Länder wie China, Italien und die Niederlande erfolgreich Impfstoffe, die verhindern, daß sich Typ A der Vogelgrippe in die Varianten H5N2, H5N1 und H5N9 verwandelt.

Auch die US-Regierung hat mehr als eine Milliarde US$ bei fünf Konzernen zur Erforschung der Herstellung von Vogelgrippeimpfstoff für den Menschen investiert.

Im Jahre 2005 hat unser Institut verschiedene Virenmuster bekommen, um den Impfstoff NIBRG14 für Geflügel herzustellen, der vom Nationalen Institut für biologischen Standard und Kontrolle, Großbritannien, entwickelt wurde. Dieser Impfstoff wurde von der WHO anerkannt und zur Produktion in der ganzen Welt empfohlen. Länder wie China, Ungarn und Brasilien haben diesen Typ verwendet, um Impfstoffe für Geflügel zu produzieren. Einige von ihnen planen, daraus die Herstellung von Impfstoff für den Menschen abzuleiten.

Im Vergleich mit anderen ist der Impfstoff NIBRG14 für die Situation in Vietnam geeigneter, da seine Gene aus dem Virustyp stammen, von dem Vietnam betroffen ist. Im Moment werden die Produktionskapazitäten in Vietnam ausgeweitet.

Das Institut hat inzwischen erste Schritte zur Produktion eines Impfstoffs für den Virustyp A H5N1 für Geflügel abgeschlossen. Die Produktion wurde an drei Standorten aufgenommen, am Institut für Biologische Technologie, in der Zentralen Fabrik für Tiergesundheit in der Provinz Ha Tay und in der Zentralen Gesellschaft für Tiergesundheit in HCMStadt. An jedem Standort werden sechs Varianten für verschiedene Tiere, etwa Hühner, Enten und Gänse produziert.

Aber wir müssen alle notwendigen Maßnahmen Schritt für Schritt vollziehen. Das wird vorgeschrieben durch die Richtlinien für Tiergesundheit.

aus: Dai Doan Ket, zitiert nach VNS

Neue Schweizer Studie zur Immunisierung

Schweizer Wissenschaftler haben Mäuse erfolgreich gegen das H5N1 Virus der Vogelgrippe immunisiert. Die Wissenschaftler hatten aus dem Blut vietnamesischer Patienten, die die Krankheit überstanden hatten, Antikörper gewonnen und in Versuchen bei Mäusen eingesetzt. In Vietnam haben seit 2003 mehr als 40 Personen die Krankheit überstanden. Die Studie wurde Ende Mai in Paris vorgestellt.

Die Mäuse wurden dem Virus ausgesetzt. Nach Angaben der Studie brachte die Behandlung praktisch einen kompletten Schutz. Die Studie wurde in der Zeitschrift PLoS Medicine veröffentlicht.

Ebenso wichtig sei, daß die Wirksamkeit der Antikörper auch bei Mäusen nachgewiesen werden konnte, die bis zu 72 Stunden davor infiziert worden waren. Die Antikörper reduzieren den Anteil der Viren in den Lungen signifikant um einen Faktor von 10 zu 100. Gehirn und Milz werden fast vollständig vom Befall durch die Viren geschützt. Aus der unbehandelten Kontrollgruppe überlebte dagegen keine Maus.

Die Antikörper, die am Institut für biomedizinische Forschung in Bellinzona (Tessin, Schweiz) reproduziert wurden, erhöhen also signifikant die Überlebensrate der infizierten Tiere. Dies zeige einen Weg zur Behandlung auch von erkrankten Menschen, sagte Antonio Lanzavecchia, Koautor der Studie und Direktor des Labors des Schweizer Instituts.

Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen eine möglicherweise globale H5N1Pandemie ist das große Bestreben der Wissenschaftler auf diesem Gebiet der Forschung. Viele dieser Wissenschaftler versammelten sich Anfang Juni in Paris zur zweiten Internationalen Konferenz über die Vogelgrippe beim Menschen.

Bisher habe man Antikörpern relativ wenig Beachtung geschenkt, die sich anders verhalten, sagte Lanzavecchia. Eine Impfung und eine Immunisierung mit Antikörpern sind zwei verschiedene Behandlungsarten. Ein Impfstoff induziert eine permanente oder Langzeitreaktion, braucht aber typischer Weise auch Wochen oder Monate, um die Wirksamkeit aufzubauen. Impfstoffe sind also nutzlos für Patienten, die bereits erkrankt sind.

Antikörper dagegen wirken sofort und seien relativ leicht industriell herzustellen. Aber der Schutz hält wahrscheinlich höchstens wenige Monate. Das kann kritisch sein für die Rettung von Infizierten, die typischerweise erst einige Zeit nach dem Ausbruch von grippeähnlichen Symptomen medizinisch behandelt werden.

Die Behandlung mit Antikörpern könnte aber Ärzte und Schwestern während einer möglichen Pandemie immunisieren sowie sonstiges Personal im Einsatz bei Epidemien immunisieren.

Die Studie wurde gefördert durch den britischen Wellcome Trust, die zweitgrößte medizinwissenschaftliche Wohltätigkeitsorganisation der Welt sowie durch das Nationale Gesundheitsinstitut der USA und die nationale eidgenössische Forschungsstiftung der Schweiz.

Marlowe Hood AFP/VNS