Vogelgrippe -
kein Ende in Sicht

Berichte aus der vietnamesischen Presse,
zusammengestellt von Luise Gutmann

Vietnam, das in der Vergangenheit bei der Vogelgrippe eine traurige Vorreiterrolle gespielt hat, weil in diesem Land nach Indonesien die meisten menschlichen Opfer gezählt wurden, ist dieses Jahr wieder erneut mit Ausbrüchen der Pandemie konfrontiert. In ganz Asien hat es 2007 schon wieder fünf menschliche Opfer gegeben, allerdings keines in Vietnam.

Vietnam hat seit dem Ausbruch der Vogelgrippe 93 Fälle von Infektion bei Menschen zu verzeichnen, davon 42 mit tödlichem Verlauf und steht damit an zweiter Stelle gleich nach Indonesien. Registriert wurden bis 2003 2.000 Fälle des Ausbruchs der Tierkrankheit und damit die höchste Zahl weltweit. 40 Mio. Stück Geflügel mußten vernichtet werden, das sind etwa 15 % des Bestands

Die bisherigen Verluste durch die Vogelgrippe allein für Vietnam werden auf 200 Mio. US-$ geschätzt; im Jahr 2004 waren das 1,5 % des Bruttosozialprodukts.

Seit 2003 wurde Vietnam erneut, besonders in den Wintermonaten, immer wieder von der Vogelgrippe betroffen. Der bislang letzte Ausbruch trat im Dezember letzten Jahres auf. Im Mekongdelta war die Geflügelseuche in sieben Provinzen, Ca Mau, Bac Lieu, Hau Giang, Kein Giang, Vinh Long, Tra Vinh und Soc Trang in 38 Kommunen und 19 Bezirken wieder aufgetreten.

Mitte Februar 2007 schien die Vogelgrippe wieder unter Kontrolle zu sein, denn die Provinzen Ca Mau, Vinh Long und Bac Lieu hatten seit 21 Tage keinen neuen Fall mehr gemeldet.

Die relativ schnelle Eindämmung der Geflügelseuche scheint die Folge von schnellen und drastischen Maßnahmen zu sein. Es zahlte sich aus, daß die Behörden auch in Zeiten, in denen die Krankheit verschwunden schien, stets zur Wachsamkeit aufgerufen hatten. Auch wenn dieses Mal vor allem Wasservögel betroffen waren und nicht Haus- und Nutztiere, so besteht die Gefahr der Ansteckung für Menschen weiterhin.

Denn nun, kurz nach Jahresbeginn kommt anläßlich des Tet-Fests traditionell viel Geflügelfleisch auf den Tisch. Deswegen wurden gerade in dieser Zeit Tierärzte und medizinisches Personal samt Ausrüstung in Bereitschaft gehalten. Die Polizei war angewiesen, Transport, Schlachtung, und Konsum besonders streng zu überwachen. Die Verbraucher wurden ermahnt, Fleisch und Eier durchzugaren und nur Fleisch von Geflügel zu verzehren, das durch die Quarantäne gegangen ist.

Auch für März, den Beginn der Frühjahrsreisernte war erhöhte Vorsicht geboten. Freilaufende Enten ziehen dann durch die abgeernteten Reisfelder.

Die Regierung hatte letztes Jahr die Aufzucht von Enten sogar ganz verboten, um eine Ausbreitung der Grippe bei diesen Tieren zu stoppen. Am 15. März diesen Jahres wurde das Verbot wieder aufgehoben; das Landwirtschaftsministerium verlangte aber von den Farmern, sich registrieren zu lassen, um eine komplette Impfung des Geflügelbestandes sicherzustellen.

Der zuständige Direktor des Ministeriums für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Nguyen Dang Vang, ordnete an, daß Entenfarmen zukünftig von Wohngebieten getrennt werden müßten. Die neuen Vorschriften gelten ab März 2007. Bislang sind bis zu 90 % der Enten in Vietnam freilaufend.

Langfristig werde das Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung auch einen Plan umsetzen, der Geflügelfarmen insgesamt von der übrigen Landwirtschaft trennt und den Handel, den Transport und die Schlachtung von Geflügel im ganzen Land unter besondere Kontrolle stellt.

Diese Maßnahmen entsprechen Empfehlungen internationaler Organisationen wie der FAO, die zur Sicherheit von Menschen und Tieren eine "absolute Transparenz" bei der Beobachtung und Berichterstattung fordern. Juan Lubroth, leitender Beamter der FAO, drängte die betroffenen Länder, ihre Wachsamkeit auch dann aufrecht zu halten, wenn ein Ausbruch der Krankheit unter Kontrolle zu sein scheint. Dies wird von Vietnam insofern weitgehend umgesetzt, als die Presse - anders als in unseren Zeitungen - über solche Ereignisse auch dann weiterhin berichtet (durch die Veröffentlichung von Mahnungen zur Vorsicht), wenn es keine akuten Fälle gibt.

Die internationalen Experten warnen interessanterweise aber auch vor dem Verbot von Geflügelhaltung im Hinterhof, da solche Verbote den Handel in den Untergrund treiben und so die Situation verschlimmern könnten.

Ist die Seuche erste einmal an einem Ort ausgebrochen, gibt es derzeit als einzige Maßnahme dagegen das Keulen, d.h. das massenhafte Töten von Tieren. Als wichtigste und anscheinend wirksamste Vorbeugungsmaßnahme gilt das Impfen des Geflügelbestands. Hier hat Vietnam wohl am konsequentesten gehandelt: 13 Millionen Stück Geflügel wurden seit Dezember 2006 geimpft. Diese flächendeckende Impfung, zusammen mit begleitenden Maßnahmen wie Markt- und Transportkontrolle sowie verantwortungsvolle Arbeit in der Landwirtschaft insgesamt könne, so die Überzeugung der Behörden in Vietnam, die Verbreitung des Virus eindämmen und die Bauern vor Verlusten schützen. Nach einem festgestellten Ausbruch der Vogelgrippe sei es wichtig, die Verbreitung des Virus unter Tieren und Menschen zu unterbinden oder einzudämmen. Eine vorher erfolgte oder aktuell durchgeführte Impfung kann verhindern, daß weitere Bestände erkranken. Die Zahl der Fälle wird dadurch verringert und damit auch die statistische Möglichkeit, daß die Seuche auf den Menschen überspringt.

Lehren aus der Vergangenheit

Alarmiert durch die neuen Fälle hat man sich weltweit auch erneut mit bekannten Vorläufern und ähnlichen Pandemien beschäftigt.

Im Frühjahr 1958 hatte die sog. Asiatische Grippe (H2N2-Virus) 2 Mio. Tote, 1918 die Spanische Grippe (H1N1) 50 Mio. Tote gefordert.

1958 war das Virus direkt von Vögeln auf Menschen übergesprungen und hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Bei der dritten Pandemie 1968 entwickelte sich das Virus aus zwei Grippewellen, aus dem H1N1-Virus von 1918 und dem Vogelgrippevirus H2N2 zu einem dritten, spontan neu entstandenen Virus (asiatische Grippe). Es unterschied sich von dem Urheber der spanischen Grippe durch eine niedrigere Sterberate. War letztere noch in einem von 40 Fällen tödlich verlaufen. Die Sterbrate der Asiatischen Grippe war nie so hoch - auch auf ihrem Höhepunkt stieg sie nie über 1 %. Aus der Epidemie von 1958 waren folgende Lehren gezogen worden:
- Den Ausbruch schnell feststellen und die Patienten isolieren,
- die Kontaktpersonen unter Quarantäne stellen,
- Grenzkontrollen einrichten und Menschen mit Fieber und Grippesymptomen zur Untersuchung verpflichten.

Wenn das Grippevirus die Masse der Bevölkerung erreicht, breitet sich die Krankheit sehr schnell aus. Geschäftsreisen und Tourismus begünstigen die Verbreitung. Andererseits bietet die Kommunikation durch das Internet Möglichkeiten der schnellen Verständigung, große Pharma-Konzerne können das Virus identifizieren, Impfstoffe herstellen und schneller verteilen. Damals wurde an die armen Länder kaum Impfstoff abgegeben.

Ein modifiziertes Impfprogramm

Vietnam hatte schon früh mit der massenhaften Impfung der Tierbestände begonnen. Da die Impfung nach einiger Zeit erneuert werden muß, umfaßte die Aktion viele Millionen Tiere und erforderte eine großangelegte Logistik sowie eine erhebliche Menge an Impfstoff, der vor allem aus China kam.

Inzwischen haben internationale Organisationen die Effektivität nach anfänglichem Zögern anerkannt, schlagen aber ein differenzierteres Vorgehen vor. Laurence J. Gleeson von der FAO:

"Wir wollen von 2008 an wegkommen von der pauschalen Impfung zweimal im Jahr." Der Vertreter der FAO empfiehlt, in den Wintermonaten ein Maximum an Schutz der Geflügelbestände zu erreichen, also eine Impfung im Oktober oder November zur Erhöhung der Immunität der Bestände während des Tet-Fests, wenn besonders viel Geflügel herumtransportiert wird.

"Wir gehen davon aus, daß die Impfung für das gesamte Geflügel im kommerziellen Sektor obligatorisch wird. Diese Tiere müssen zweimal im Jahr geimpft werden. Geflügel, das für die Fleischproduktion bestimmt ist, sollte schon am Tag, wenn es schlüpft geimpft werden und noch einmal, wenn die Vögel drei oder vier Wochen alt sind.

Wir brauchen auch eine spezielle Impfkampagne zweimal im Jahr für Enten. Wir empfehlen, daß die vietnamesische Regierung die Kosten der Impfung bei den kleinen Geflügelhaltern ganz übernimmt, zumindest für eine Anfangsphase. Die Impfung der Hühner im kommerziellen Sektor sollte von den Erzeugern bezahlt werden.

Die Impfung von Geflügel, das im häuslichen Bereich gehalten wird, sollte einmal im Jahr und zwar im Oktober und November erfolgen. Wenn es Anzeichen für eine erhöhte Gefahr gibt, kann die Regierung ein weiteres Mal impfen lassen. Auf jeden Fall ist ein langfristiger Plan nötig, um das Impfprogramm optimal umzusetzen, dazu gehört auch ein effektiveres Informationsnetzwerk, damit man bei Bedarf schnell reagieren kann.

Der Erfolg der Impfungen ist daran abzulesen, daß in diesem Jahr das Virus hauptsächlich bei nicht geimpften Enten aufgetreten ist. Die Krankheit ist also nicht bei geimpften Vögeln ausgebrochen, was sehr kritisch wäre. Und, was noch bemerkenswerter ist: die Krankheit ist nicht in großem Stil auf Hühner übergegangen.

Auch ist das Virus derzeit in keinem Bestand endemisch, aber es kann jederzeit auftauchen. Es vollständig aus den derzeit betroffenen Gebieten im Mekongdelta zu eliminieren, ist sehr schwierig. Vietnam sollte über die nächsten vier oder fünf Jahre ein praktikables Programm haben, das sich auf die Erkenntnis einstellt, daß das Virus auch dann zirkulieren kann, wenn die Krankheit nicht da ist. So droht sie immer dann auszubrechen, wenn die Kontrolle vernachlässigt wird. Die vollständige Eliminierung der Krankheit ist ein Fernziel. Denn erst wenn das H5N1 Virus nicht mehr zirkuliert, dann kann man damit beginnen über die Ausrottung des Virus zu sprechen."

Diese Erkenntnisse sind derzeit weltweit unter den Experten unumstritten. So sagte Margaret Chan, Generaldirektorin der WHO (Weltgesundheitsorganisation der UNO) in ihrer Rede auf einem Gipfel zum Thema. "Der Ausbruch der Krankheit kann verhindert werden, aber der Virus selber überlebt viele Jahre in den betroffenen Ländern. Wildvögel, Zugvögel sind Träger des Virus. Das Virus kann sich verändern und den Menschen infizieren."

Die weltweite Verbreitung sei in Anbetracht der ansteckenden Natur der Grippe unvermeidlich. Grenzschließungen und Reisebeschränkungen könnten die Ankunft des Virus allenfalls um einige Tage oder Wochen verzögern, aber nicht stoppen. Schätzungen gehen davon aus, daß 20 % der Weltbevölkerung erkranken könnten, wenn das Virus sich ungehindert ausbreiten kann. Die Zahl der Todesfälle könnte sehr hoch sein. Die medizinischen Vorräte an Impfstoff und Medikamenten während einer Grippewelle unter den Menschen würden in keinem Land ausreichen, ebenso wenig die Kapazitäten der Krankenhäuser. Man schätze daß bei einer Pandemie 6,4 bis 28 Mio. Menschen eine stationäre Behandlung in einer Klinik brauchen.

Insofern ist die Bekämpfung der Vogelgrippe längst ein internationales Problem und möglicherweise eine der ersten großen Herausforderungen der Globalisierung. Deswegen müssen alle, die mit der Zucht, dem Handel und dem Transport von Geflügel weltweit zu tun haben, sich an diesem Kampf beteiligen und beteiligt werden: Behörden Geflügelzüchter und Transportunternehmen, der Futtermittelhandel ebenso wie die Lebensmittelproduzenten und der Lebensmittelhandel.

Zur Forderung der Entwicklungsländer, Impfstoffe gerechter zu verteilen, sagte Generaldirektorin Margaret Chan, die WHO werde eine globale Reserve für die armen Länder anlegen. Die WHO werde dafür Mittel reicher Länder oder anderer Spender, aber auch großer Pharmahersteller sammeln, damit der Plan funktioniert.

Die Weltbank wird Vietnam 20 Mio. US-$ für ein 38 Millionen-Projekt zur Kontrolle der Vogelgrippe im Zeitraum von drei Jahren zur Verfügung stellen. Das Projekt soll die Bevölkerung des Landes auf eine mögliche Epidemie besser vorbereiten. Weitere 10 Mio. sollen aus der EU kommen. Japan wird 5 Mio. beitragen und die vietnamesische Regierung die restlichen 3 Mio. aufbringen.

Das Projekt soll die Effektivität der Regierungsdienste steigern und die Risiken für Geflügel und Menschen in 11 hoch gefährdeten Provinzen mindern. Diese Hilfen gehen an die Provinzen Lang Son, Ha Tay, Thua Thien-Hue, Binh Dinh, Tay Ninh, Long An, Tien Giang und Dong Thap.

Zur Durchführung des umfangreichen Impfprogramms bei Tieren wurden die Impfstoffe bislang aus China importiert. Wie das Ministerium für Wissenschaft und Technologie in Hanoi bekannt gab, könnte Vietnam noch in diesem Jahr (2007) mit der Herstellung eines eigenen Impfstoffs gegen H5N1 für Geflügel beginnen. Wissenschaftler des Instituts für Wissenschaft und Technologie (IST) und des Instituts für Tiergesundheit konnten im März die Arbeit an zwei Projekten zur Impfstoffproduktion aufnehmen, sagte der stellvertretende Direktor des IST, Le Minh Sat.

Das Ministerium wolle nun einen umfangreichen Testlauf starten, und bei Erfolg werde die Produktion des Impfstoffs in den nächsten vier oder fünf Monaten beginnen.

Bemerkenswert an dieser Entwicklung ist, daß die betroffenen (Entwicklungs-) Länder hier selbst auch wissenschaftlich aktiv werden und daß die internationalen Pharmakonzerne offensichtlich nicht involviert sind. Daß sich hinter dem einfach scheinenden Szenario versteckte Kämpfe abspielen, deutet ein Vorfall aus neuester Zeit an:

Angst vor den Pharmakonzernen

Ein nach Meinung der Frankfurter Rundschau (Artikel von Moritz Kleine-Brockhoff, erschienen am 08. 05. 2007) "gefährlicher Streit" ist um die Produktion von Impfstoffen im Westen entbrannt. Indonesien hat es abgelehnt, der WHO Proben des Vogelgrippe-Virus H5N1 auszuliefern. Begründet wird diese Weigerung damit, daß man befürchte, die armen Länder würden wieder benachteiligt, wenn westliche Pharmakonzerne sich mit der Produktion von Impfstoffen für die vorwiegend in Südostasien vorkommende Krankheit des Geflügels und der Menschen befassen würden. Impfstoffe seien dann Patenteigentum dieser Konzerne und würden zu nicht bezahlbaren Preisen vertrieben werden.

Im Januar hatte die Gesundheitsministerin Indonesiens, Siti Fadilah Supari, eine 50 Jahre alte internationale Regelung durchbrochen, nach der alle Länder verpflichtet sind, WHO-akkreditierten Labors alle Krankheitserreger auszuliefern, für die es noch keine oder keine neuen Impfstoffe oder Medikamente gibt. WHO-Forscher wollen mit der Hilfe dieser Proben einen Vogelgrippe-Impfstoff entwickeln. Ist dies gelungen, gehen die Forschungsergebnisse an Pharmafirmen, die dann die Mittel auf den Markt bringen.

Aus indonesischer Sicht würde ein solches Vorgehen den meisten Betroffenen den Zugang zu den heilenden Mitteln unmöglich machen, denn sie könnten sich den Impfstoff nicht leisten. Gerade neue Mittel werden von den Pharmakonzernen in der Regel sehr teuer verkauft mit dem Argument, man müsse die Ausgaben für die "Forschung" wieder hereinholen. Indonesien, so die Gesundheitsministerin, trage mit der Auslieferung der Proben dazu bei, daß sich hinterher das Land den Impfstoff nicht leisten könne.

Dabei geht es ihr nicht nur um die Vogelgrippe. Laut WHO sterben in den armen Ländern jährlich 1,3 Mio. ungeimpfte Kinder an Krankheiten, gegen die es sichere Mittel gibt. Frau Supari geht sogar so weit zu sagen, dieses aktuelle System sei gefährlicher als ein eventueller Ausbruch einer weltweiten H5N1 Epidemie. Diese Ansicht teilt kaum einer der Experten, deren Schätzungen über Opferzahlen im Falle einer weltweiten unter Menschen leicht übertragbaren Variante des H5N1-Virus sehr bedrohlich klingen: Etwa 62 Mio. Menschen würden daran sterben, wenn es bis dahin kein Serum gebe.

Indonesien hätte allen Grund, die Produktion eines Serums zu unterstützen, gilt das Land doch als weltweit am meisten betroffen, vor allem die Hauptstadt Jakarta: "Durch Umweltkatastrophen, enges Zusammenleben von Mensch und Tier, Bevölkerungsreichtum und schlechte Infrastruktur könnten sich Jakarta und Umgebung als Ausgangspunkt weltweiter Pandemien entwickeln", so ein Arzt der Deutschen Botschaft.

Frau Supari ist indessen keine fundamentalistische Totalverweigererin. Es haben nämlich lange Diskussionen mit der WHO stattgefunden, ehe sie sich zur Einstellung der Lieferungen entschied. Die WHO hatte während der Verhandlungen sogar versprochen, das Virus nur an Forschungspartner weiterzugeben und es "von der Industrie fernzuhalten". Aber eine schriftliche Bestätigung dieses Zugeständnisses seitens der WHO traf nicht ein. "Ich traue mich nicht, Proben zu schicken, weil wir keine WHO-Verpflichtung sehen, die uns garantiert, daß uns nicht geschadet wird" Die Gespräche seien derzeit in der Sackgasse.

Es ist auch schwer vorstellbar, daß die WHO eine solche Zusage würde einhalten können. Vielleicht kann sie es vermeiden, die Forschungsergebnisse direkt an die Pharmaindustrie zu geben, aber irgendwann werden sie bei dieser landen müssen, denn wer soll sonst die Impfstoffe in den benötigten Mengen herstellen. Und auf eine Produktion in einem der armen Länder und unter deren Kontrolle wird sich auch die WHO nicht einlassen wollen und können.