Der Literaturtempel in Hanoi, eines der ältesten Gebäude der Stadt, Sitz der ersten Universität des Landes


Vietnam














Überwältigend schön präsentieren sich weite Teile von Vietnams Landschaften. Die schneeweißen Strände und das flaschengrüne Meer von Da Nang. Die braunen und roten Segel der Dschunken in der Ha Long Bucht.

Die saftig grünen Reisfelder und die grauen Karstfelsen in Ninh Binh. Die bunten Märkte am Mekong, voll von exotischen Früchten und Reis in den Farben weiß, gelb, braun und schwarz, angeboten von den Bäuerinnen mit ihren kegelförmigen Reisstrohhüten.

Doch Vietnam ist keine Postkartenidylle. Es ist eines der ärmsten Länder der Erde. Obwohl der Krieg schon über dreißig Jahre zurückliegt, zählt Vietnam immer noch zu den ärmsten Ländern der Welt, obwohl in den letzten Jahrzehnten beträchtliche Fortschritte erzielt wurden:

Sein Jahres-Prokopfeinkommen liegt derzeit bei 435 Dollar pro Person, es hat sich seit 1990 mehr als verdoppelt. Die Wachstumsrate des BIP beträgt weiterhin, wie schon 1995-2000, über 7 Prozent jährlich, die Industrieproduktion wuchs um durchschnittlich 13,5 Prozent pro Jahr. Diese Zahlen zeugen von der enormen Tatkraft des Landes und seiner Menschen. Das Ziel ist der Aufbau moderner Infrastrukturen und die Belebung der Wirtschaft, um die Armut zu beseitigen und für alle Menschen gute Lebensbedingungen zu schaffen. Der Sprung aus der Zerstörung des Kriegs und der nachfolgende Isolierung, in die Vietnam durch die USA und die EU gestürzt worden waren, in eine sozialistische Marktwirtschaft verläuft allerdings nicht ohne Widersprüche.

Vietnam ist darüber hinaus das Synonym für einen der schrecklichsten Kriege unserer Zeit. Bis zu 500.000 hochgerüstete US-Soldaten und Söldner aus 15 Ländern standen zwischen 1965 und 1975 in Vietnam und versuchten, 'das Land in die Steinzeit zurück zu bomben'. 3 Millionen Tote, 600.000 Invalide und 800.000 Waisen gehörten zur Bilanz dieses Krieges. Dazu kamen unvorstellbare materielle Schäden: Alle Brücken und Bahnhöfe waren zerstört oder schwer beschädigt, die meisten Schulen und Industriebetriebe durch Bomben verwüstet. Millionen Bombentrichter sind noch heute in den Reis- und Gemüsefelder zu erkennen.

Und es werden auch heute noch, über 30 Jahre nach Kriegsende, Bauern bei der Feldarbeit und spielende Kinder durch zurückgebliebene Landminen und Blindgänger verletzt und getötet. Bis in eine ungewisse Zuklunft hinein leiden die Menschen an den Folgen der dioxinhaltigen Entlaubungsmittel, die über Vietnam versprüht wurden.

So wie für die Menschen in Vietnam dieser Krieg immer noch Bezugspunkt ihrer Erfahrungen und ihres Geschichtsbewußtseins ist, darf er auch bei uns, vor allem angesichts aktueller Entwicklungen in der Weltpolitik, nicht in Vergessenheit geraten. Leider hat die Öffentlichkeit in unseren Ländern des "Westens" selten die Gelegenheit, sich über dieses Land, seine Fortschritte und seine Probleme aus erster Hand zu informieren. Presse und Medien berichten oft immer noch aus der Perspektive des kalten Krieges, in dem Vietnam (warum eigentlich?) als ein Feind galt. Seine neuere und ältere Geschichte, seine Kultur, seine Kunst und das Alltagsleben seiner Menschen den Menschen in unserem Land näher zu bringen, ist das Hauptziel der Freundschaftsgesellschaft Vietnam.

Freundschaftsgesellschaft Vietnam e.V.
V.i.S.d.P.: Günter Giesenfeld